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Licht und Gesundheit
Das Leben mit optischer Strahlung![]()
- Wirkungen optischer Strahlung auf den Menschen
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2 Wirkungen optischer Strahlung auf den Menschen
2. 1 Sehprozeß und Wohlbefinden als Ganzes
2. 1. 1 Sehleistung und optische Wahrnehmbarkeit
Seit langem ist bekannt, daß 85% aller Sinneswahrnehmungen optischen Ursprungs sind. Licht ist der Mittler auf der Strecke Sehobjekt - Auge - Gehirn. Für diese Leistungen benötigt der Mensch 25% seines gesamten Energiehaushaltes.
Man weiß auch, daß optische Strahlung nicht nur dem Sehprozeß dient, sondern darüber hinaus viele Organfunktionen und Verhaltensweisen des menschlichen Körpers regelt. Diese Aussagen sind seit vielen Jahrzehnten immer wieder unter anderen Gesichtspunkten erforscht worden /1/-/7/, /134/, /162/, /485/, /514/,
/766/. Dabei wurde sehr frühzeitig der Untersuchung der Sehschärfe, dem relevantesten Parameter des Sehvorganges, besonderes Augenmerk geschenkt. Bild 11 zeigt schematisch die Abhängigkeit der Sehschärfe von der Beleuchtungsstärke und vom Lebensalter.
Bild 11 Abhängigkeit der Sehschärfe von Beleuchtungsstärke und Lebensalter /86/
Die Entwicklung der künstlichen Beleuchtung demonstriert immer wieder die Tatsache, daß in der Regel ältere Menschen, die irgend einer Tätigkeit nachgehen, einen erhöhten Lichtbedarf haben. In Bild 12 ist der Lichtbedarf für spezifische Sehaufgaben dargestellt /754/. Man sieht den steilen Anstieg im hohen Lebensalter.
Bild 12 Relativer Lichtbedarf für spezifische Sehaufgaben in Abhängigkeit vom Lebensalter /754/
Aus Bild 13 erkennt man den steigenden Beleuchtungsniveaubedarf mit zunehmendem Lebensalter. Bekannte Untersuchungsergebnisse aus den 70er Jahren zeigten bereits diese Verhältnisse /86/. Mit den Bildern 12 und 13 wird dieses auch sehr deutlich demonstriert /754/. Durch neuere Arbeiten werden diese Ergebnisse im Grunde bestätigt /751/, /754/, /762/.
Bild 13 Beleuchtungsniveaubedarf in Abhängigkeit vom Lebensalter
Daß eine Beleuchtungsniveausteigerung eine erhöhte geistige und körperliche Leistungssteigerung mit sich bringt und daß Lichtmangel krankmachen kann, ist gründlich bekannt gewesen /134/, /260/, /494/,
/514/, /582/, /593/, /615/, /631/, /641/, /697/, /699/, /714/, /717/ - /718/,
/722/ - /723/, /736/ - /738/, /753/, /756/, /763/ - /766/, /770/, /773/. Mit wissenschaftlichen Untersuchungen wurde mehrfach nachgewiesen, daß Leistungszuwachs, Ausschuß- und Unfallrückgang mit der Beleuchtungsstärke in Arbeitsstätten in Verbindung gebracht werden können /86/, /114/.Bereits in den 70er Jahren gab es Arbeitsplätze in Deutschland mit Beleuchtungsstärken von 1000 bis 3000 lx /134/. Viele Untersuch-
ungen in den 80er und 90er Jahren zeigten, daß niedrige Be-
leuchtungsniveaus, sogar mit Beleuchtungsstärken von E500 lx
für spezielle Arbeitsaufgaben Wahrnehmbarkeit garantieren. Neuere Arbeiten tendieren wieder zu höheren Grundbeleuchtungsniveaus, z. B. /754/. Derzeit werden beleuchtungstechnische Größen in den DIN-Normen festgelegt /741/, /762/.
2. 1. 2 Mentales Verhalten, Rolle der Farben und des Lichtes
Wiederholt muß festgehalten werden, daß es ein großer Irrtum ist und bleibt, daß die Beleuchtung nur in Zusammenhang mit dem Sehprozeß in Verbindung gebracht werden muß. Seit langem ist bekannt, daß es außer Zapfen und Stäbchen in der Netzhaut noch weitere lichtempfind-
liche Empfänger gibt, die allerdings nicht der optischen Wahrnehmung sondern der Signalaufnahme zur Weiterleitung des optischen Reizes zur Zirbeldrüse und zur Hypophyse dienen /28/, /36/, /43/, /58/, /62/,
/67/ - /69/, /74/ - /76/, /79/ - /82/, /85/, /87/, /107/, /111/, /114/, /124/,
/126/ - /127/, /133/, /139/. Die optische Strahlung, auch ein Teil der nichtsichtbaren Strahlung (UV- und IR-Strahlung), beeinflußt den Hormonhaushalt und triggert die innere Uhr aller Lebewesen in tages-, wochen- und jahreszeitlichen Rhythmen /582/, /723/. Man spricht von circadianen Rhythmen.Die Beleuchtung ist ein wichtiger Teil der physikalisch-biologischen Umgebung sowohl am Arbeitsplatz als auch im privaten Bereich. Eine ausgewogene Beleuchtung im Gesichtsfeld insbesondere am Arbeits-
platz und dessen Umgebung sowie wohlbefindliche Lichtfarben sorgen nicht nur für momentanes Wohlbefinden, sondern dienen langfristig dem gesunden Leben mit optischer Strahlung /485/, /545/, /615/,
/631/, /709/, /723/, /763/, /765/, /771/.
2. 1. 3 Probleme durch die Technisierung der Arbeitsplätze
In einer umfassenden Studie zu Gesundheits- und Befindlichkeits-
störungen bei der Büro- und Bildschirmarbeit /733/ wurde zum Stand der Beleuchtungstechnik in Deutschland treffend in Übereinstimmung mit vielen anderen Veröffentlichungen der letzten Jahre formuliert:"Auch im Jahre 1990 hatte die künstliche Beleuchtung diejenigen Ziele nicht erreicht, die sie seit einem Dreivierteljahrhundert erreicht haben sollte: Förderung der Gesundheit und Minderung der Ermüdung. Sie erreichte eher das Gegenteil! Das Tageslicht hingegen besaß und besitzt, bei allen Problemen, die es dem Menschen auch bereitet, eine nachweislich positive Bedeutung. Eine wichtige Erkenntnis für den, der Gebäude und Arbeitsplätze plant! Nicht glücklich über diese Erkenntnis waren aber diejenigen, die künstliche Beleuchtung planen bzw. einsetzen müssen. Wer will denn schon gerne Produkte entwerfen bzw. in Arbeitsräumen installieren, die die Gesundheit ihrer Benutzer "beeinträchtigen" sollen, auch wenn diese unverzichtbar sind?
Die Bedeutung der "richtigen" Beleuchtung wird in nächster Zukunft
im Zuge neuer Computeranwendungen noch weiter zunehmen. Diese Aussage gilt insbesondere für Dokumentenverwaltungssysteme (Imaging, DMS), denen eine weite Verbreitung bevorsteht, und für Multimedia-Anwendungen, bei denen es auf eine gute Farbenerken-
nung ankommt. Was allerdings die "richtige" Beleuchtung für ein Unternehmen bzw. dessen Teile darstellt, sollte nicht von Außen-
stehenden vorgegeben werden, sondern anhand des Gebrauchs-
tauglichkeitskonzepts bestimmt werden, das in diesem Bericht zum ersten mal vorgestellt wird."In /733/ wurden sechs Hypothesen aufgestellt und Erläuterungen dazu gegeben, die sich nach der Aussage der Verfasser nur auf die Be-
leuchtung von Arbeitsplätzen mit Leuchtstofflampen beziehen. Im Ergebnis der Auswertung vieler Literaturstellen kommt der Verfasser dieser Literaturrecherche zu dem Schluß, daß diese sechs Hypo-
thesen auch auf andere Beleuchtungssysteme übertragbar sind.Entwurf und Bau fensterloser Projektierungs- und Fertigungsein-
richtungen mit der zwangsweise nur künstlichen Beleuchtung waren eine architektonische und technische Entgleisung, deren biologische, medizinische und wirtschaftliche Folgen bis heute nicht gründlich untersucht wurden /103/, /111/, /113/, /131/, /499/, /722/. Die Rückbesinnung zur Benutzung des natürlichen Lichtes in der Raumausleuchtung zeigt den gegenwärtigen Trend. Dies fördert Wohlbefinden und Gesundheit /169/, /399/, /514/, /559/, /733/, /766/ - /767/.Die Entwicklung und Technisierung von Bildschirmarbeitsplätzen schränkt jedoch abermals die Tageslichtnutzung ein, obwohl die visuellen und energetischen Belastungen enorm steigen.
Man spricht von "Lichtschutzvorrichtungen zur Ablenkung des Tages-
lichtes an Bildschirmarbeitsplätzen". Festlegungen gibt es dazu in der Bildschirmarbeitsplatzverordnung /772/.Eine Verbesserung der derzeitigen Situation, die mittels Abschwächung durch Lichtlenksysteme bzw. klassische Licht-
schutzvorrichtungen zu niedrigen Beleuchtungsniveaus mit zum Teil veränderten Strahlungszusammensetzung (Filterwirkung) führt, wird erst dann in greifbare Nähe gerückt, wenn Bildschirme mit höheren Leuchtdichten zur Verfügung stehen /733/, /772/.
2. 1. 4 Auswirkungen des geänderten Freizeitverhaltens
Nicht nur im Arbeitsprozeß sondern auch im Freizeitverhalten der Menschen gab es besonders in den letzten 100 Jahren gewaltige Veränderungen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren viele Menschen in der Landwirtschaft tätig und somit stärker der natür-
lichen Sonnenstrahlung ausgesetzt. Dies hatte nicht nur positive Auswirkungen auf die Gesundheit sondern auch negative. Recht häufig gab es an den der Sonnenstrahlung zu lange und zu oft ausgesetzten Körperoberflächen Hautveränderungen bis hin zu Hautkrebs. Laufend besser werdende Produktionstechniken in der Landwirtschaft und Industrie bewirkten höhere Produktivität und eine enorme Umverteilung der Arbeitskräfte. Ein Großteil der Menschen entzog sich damit der häufigen und intensiven Sonnenbestrahlung. Da die in den Arbeitsräumen notwendige künstliche Beleuchtung weder bezüglich Wellenlängen, Lichtfarben und Beleuchtungsstärken der natürlichen Sonnenstrahlung entsprach, entstanden bei nicht wenigen Menschen Lichtmangelerscheinungen.In der Folge können sich verschiedene Erkrankungen entwickeln. Viele Menschen reagieren darauf mit exzessiven Sonnenbädern in südlichen Ländern oder in Solarien, was auch zu Gesundheitsschäden führen kann oder sie erkranken unbewußt aufgrund ihrer Tätigkeit am Arbeitsplatz / 53 /, / 55 /, / 198 /, / 204 /, / 317 /, / 352 /, / 395 /, / 403 /, / 437 /, / 448/ , / 495 /, / 515 /, / 527 /, / 615 /, / 716 /, / 743 /, / 772 /. Zu Hautkrebsentstehung und -untersuchungen gibt es sehr viel Literatur / 51 /, / 55 /, / 65 /, / 95 /, / 137/ , / 198 /, / 279 /, / 317 /, / 326 /, / 344 /, / 352 /, / 360 /, / 382 /, / 384 /, / 395 /, / 437 /, / 448 /, / 458 /, / 518 /, / 527 /, / 546 /, / 575 /, / 615 /, / 695 /, / 699 /, / 743 /. Es sind keine Untersuchungen bekannt, die Aussagen über Zusammenhänge zwischen absorbierter kumulierender Strahlung und Lebensalter treffen.
2. 1. 5 Zunahme von Licht- und Strahlungsimissionen im optischen Bereich
In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts begann eine rasante Entwicklung der Licht- und Strahlungsquellen. Die Zahl ihrer An-
wendungen in allen Gebieten der Wirtschaft und im privaten Bereich stieg unaufhaltsam an. Damit verstärkt sich auch die ständige Störstrahlung. Astronomen haben seit Jahrzehnten bei ihren Himmelsbeobachtungen damit Probleme.Auch im Straßenverkehr und an Arbeitsplätzen steigt die ungewollte Strahlung stark an. Besonders kritisch wird dies an Arbeitsplätzen mit UV-Strahlungsgefährdungen. Grenzwerte sind in Vorschriften und gesetzlichen Regelungen festgelegt /250/ - /251/, /404/, /453/,
/489/, /509/, /734/, /741/, /743/, /767/.Die Menschen arbeiten in zunehmendem Maße mit gesundheits-
gefährdender Strahlung. Eine zeitliche Einordnung der Anwendung künstlicher UV-Strahlung ist in Bild 14 dargestellt. Auf die Akku-
mulation der Strahlung während des gesamten Lebens muß immer wieder hingewiesen werden.
Bild 14 Zeitliche Einordnung der Anwendung künstlicher UV-Strahlung
2. 2 Zusammenfassung bisheriger Untersuchungen aus der Literatur
Seit den 70er Jahren wird intensiv an der Entwicklung und Gestaltung optimaler und dem Menschen wohlbefindliche Eindrücke vermittelnder Arbeitsplatzbeleuchtung geforscht und gearbeitet. Viele Literaturstellen sind dazu beispielsweise in /733/, /751/, /754/ und /762/ enthalten. Sehr frühzeitig war bekannt, daß Beleuchtungsstärken über 1000 lx einen positiven Einfluß auf die Gesundheit haben. Einige wenige Arbeiten sollten dazu erwähnt werden: /1/ - /7/, /134/, /162/, /485/, /514/, /766/. Dennoch wurden Festlegungen getroffen und Normen festgelegt, die ihren Ursprung in wissenschaftlichen Untersuchungen zur Erkennbarkeit der Arbeitsaufgaben und zum Wohlbefinden bei entsprechender Beleuchtung am Arbeitsort haben. In /733/, /751/, /754/ und /762/ werden sie ausführlich zitiert. Die Lichttechnik, sowohl Licht- und Strahlungsquellen, als auch Beleuchtungsanlagen mit Betriebsgeräten haben eine enorme Weiterentwicklung erfahren. Heute ist es an vielen Arbeitsplätzen möglich, durch mechanische und/oder elektronische Regelungen die Beleuchtungsstärken sowohl für Tageslicht aber auch Kunstlicht individuell zu regeln. Berücksichtigt man den wesentlichen Faktor "Gesundheit", also Gesunderhaltung infolge künstlicher Beleuchtung, langfristig, so sollte man die über mehrere Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen im medizinischen und biologischen Bereich nutzen und höhere Beleuchtungsniveaus mit individueller Einstellbarkeit sowohl hinsichtlich der Lichtfarben als auch der Helligkeit realisieren. In /733/ und /766/ werden beispielsweise Vorschläge dazu unterbreitet.
Bei künftig zu projektierenden Beleuchtungsanlagen muß im Vordergrund die Gesunderhaltung der Menschen stehen. Dies schließt die Sehleistung und Erkennbarkeit von Sehobjekten ein. Die Beleuchtung muß eine Aktivierung körperlicher und/oder geistiger Arbeit bewirken. Damit führt die Tätigkeit auch nicht zur Ermüdung und zu ermüdungsbedingten Fehlern. Es ist weiterhin noch zu klären, ob eine gewisse Blendung nicht positive Effekte im Arbeitsprozeß und für die Gesundheit bewirken kann. Die Unzufriedenheit über Beleuchtungskonzepte zeigt sich in der zunehmenden Tendenz , "Licht und Gesundheit" als ein Ganzes zu betrachten. Forschungsprojekte und Tagungsthemen versuchen die Beleuchtungsprobleme der Gegenwart und Zukunft ganzheitlich anzugehen. Dies ist auch im Sinn der vorliegenden Literaturstudie. Die ins Leben gerufene Tagung "Licht und Gesundheit" im Jahre 2000 war ein sinnvoller Anfang.
2. 3 Fragen der Einwirkungen optischer Strahlung auf Organe des Menschen
2. 3. 1 Wechselwirkungen optischer Strahlung und lebender Materie
Das Bild 15 demonstriert in allereinfachster Form die Wechselwirkungen lebender Materie und optischer Strahlung. Diese Darstellung soll nur die Zustände allgemein beschreiben und sagt nichts über Wellenlängen- und Dosisabhängigkeiten aus. Die eigentliche Zellstrahlung ist in dieser Darstellung nicht enthalten, da diese um Größenordnungen kleiner ist. Um konkreter zu Wechselwirkungen und deren Ergebnissen zu kommen, wurden beispielhaft die menschliche Haut, das menschliche Blut, das menschliche Auge und das menschliche Haar ausgesucht.
Bild 15 Stark vereinfachte Darstellung der Wechselwirkung optischer Strahlung mit lebender Materie
In der Medizin wurde schon sehr frühzeitig die Wirkung energiereicher optischer Strahlung auf die Haut und das Blut systematisch untersucht und beschrieben. 1926 schrieb Schubert /10/:
"Es tritt uns wieder eine wunderbare Harmonie vor Augen, welche darin liegt, daß die zu durchstrahlenden Hautschichten und das Serum eine so viel geringere Absorptionskraft haben als der rote Blutfarbstoff, der für diese Strahlung der Empfänger ist, und eigentlich ein großartiges Beispiel von Anpassung unserer Gewebe an die von der Sonne ausgehende Strahlung, deren kürzeste Wellenlängen in unserem Klima meist über 300 nm liegen, so daß die danach jäh einsetzende Absorption darauf zurückzuführen ist, daß unter natürlichen Verhältnissen dem Körper keine kürzere Strahlung angeboten wird. Die gesamte Lichtbiologie und Lichttherapie wird sich mit der Feststellung dieser Tatsachen auseinandersetzen müssen."
Kollath und Suhrmann /12/ vermaßen ein Jahr später erstmals die wellenlängenanhängige Transmisssion der Strahlung durch Serum und Erythrozyten, (Bild 16)
Bild 16 Spektrales Durchlassvermögen des menschlichen Blutes und seiner Bestandteile nach Kollath und Suhrmann /12/
2. 3. 2 Wirkungen auf Blut, Haut, Augen und Haare
Für den Menschen war von jeher der sichtbare Bereich wegen der visuellen Wahrnehmung von besonderer Bedeutung. Die Auswirkungen der unsichtbaren Strahlung wurden z. T. für therapeutische Zwecke in der Medizin genutzt. Seit der Entdeckung der UV-Strahlung durch Ritter /1/ im Jahre 1803 beschäftigten sich viele Generationen von Physikern, Chemikern, Medizinern und Technikern mit der Erzeugung, Untersuchung und Anwendung der energiereichen optischen Strahlung. In der Literatur sind in zahllosen Beiträgen die schädigenden und/oder biopositiven Wirkungen optischer Strahlung beschrieben. Darüber wird in dieser Recherche noch ausführlich berichtet. Wichtige Parameter und Festlegungen sind in den Normvorschriften enthalten.
1983 untersuchten Riemann u. a. /221/ erneut die Absorptions- und Transmissionseigenschaften von Blut und seiner Bestandteile mit moderner Meßtechnik. Bild 17 demonstriert den Sachverhalt. Die Ergebnisse von Schubert /10/ und Kollath/Suhrmann /12/ wurden damit erhärtet.
Bild 17 Transmissionskurven der einzelnen Medien: 1 Vollblut/Aqua dest.,
2 Erythrozytenkonzentrat / Konservenstabilisator, 3 Serum/Aqua dest.,
4 Konservenstabilisator / Aqua dest., 5 Natrium citricum/ Aqua dest
Dies hatte Auswirkungen auf die Entwicklung und die Produktion neuer Blutbestrahlungsgeräte für medizinische Therapien. Für die medizinische Behandlung der Neugeborenengelbsucht (Hyperbilirubinemie) wurden spezielle Geräte und Verfahren entwickelt /39/, /48/, /260/, /695/ - /697/. Die Photonenenergie von E = 2,7 eV im Blaulichtbereich reicht aus, das Bilirubin zu zersetzen. Blut, speziell das Hämoglobinmolekül, ist, wie seit langem bekannt, nicht nur Target für die kurzwellige optische Strahlung im UVB - bis Blaulichtbereich /10/, /12/, /212/, /221/, /269/ - /270/, /274/ - /275/, /291/, /359/, sondern soll auch "Transporteur" der Strahlungsenergie zu den Zielorganen sein, wie neuere Veröffentlichungen darlegen /707/ - /708/.
Die Kenntnis der optischen Eigenschaften der Haut ist unentbehrlich für das Verständnis der Auswirkungen der Strahlung. Aus optischer Sicht ist die Haut ein inhomogenes Medium, das aus vier Schichten besteht: Hornschicht (Cuticie), Stachelzellenschicht (Germinative Zone), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Subkutis), siehe Bild 18.
Bild 18 Eindringtiefen der optischen Strahlung in die Haut als Funktion der Wellenlänge
Die einzelnen Hautschichten haben einen unterschiedlichen Brechungsindex und eine unterschiedliche Verteilung der Chromophore, was zu unterschiedlichen Reflexions-, Übertragungs- und Streuungseigenschaften je nach Wellenlänge führt. Die Eindringtiefe der Strahlung in die Dermis wird wegen des Gefäßsystems mit der Absorption der Strahlung durch das Blut (Hämoglobin, Oxyhämoglobin) im Breich 300 nm <
< 600 nm und durch die Streuung in der Kollagenfaserschicht beeinflußt. Die Farbstoffe in der Hornschicht sind vorrangig Melanin, Urocaninsäure und Proteine. Die Hornhautunterschicht besteht aus lebensfähigen Zellen und besitzt die gleichen Farbstoffe wie die Hornschicht. Hier spielen die Nukleinsäuren der DNA bezüglich der kurzwelligen UV-Strahlung eine lebenswichtige Rolle.
Strahlung mit Wellenlängen zwischen 800 nm und 1400 nm (kurzwelliges Infrarot) kann am tiefsten bis in die subkutane Schicht eindringen, die daher als das optische Fenster der Haut bezeichnet wird.
Die Augen sind im Zusammenhang mit dem Gehirn wohl die kompliziertesten Organe. Auf der einen Seite wird ein Sinneseindruck unserer Umwelt optisch vermittelt und parallel wird über die von Hollwich /28/, /36/, /43/, /62/, /67/ - /69/, /75/, /79/ - /80/, /87/, /93/, /107/, /111/, /120/, /126/, /139/, /366/ bezeichnete energetische Sehbahn, Verhalten, Entwicklung oder Stagnation sowie tages- und jahreszeitliche Anpassung des menschlichen Organismus gesteuert. Viele dieser Mechanismen befinden sich erst am Beginn der Klärung. Hollwich /69/, /75/ hat bereits im Jahre 1964 die Reaktionen der Eosinophilenzahl auf okulare Lichtreize untersucht. Dabei wurden bei einer normalsichtigen Probantin der Abfall der Eosinophilen Zellen nach 20 min Bestrahlung mit Kunstlicht unterschiedlicher Lichtintensität betrachtet. Es konnte nachgewiesen werden, daß mit zunehmender Beleuchtungsstärke der eosinophenische Effekt als Folge einer vermehrten Cortisol-Ausschüttung der Nebennierenrinde ausgeprägter und frühzeitiger eintritt. Dieser Effekt wurde von anderen Autoren bestätigt. Bild 19 zeigt die Zusammenfassung der Ergebnisse. Die Konzentration der Eosinophilen Granulozyten ist demnach abhängig von der Beleuchtungsstärke.
Bild 19 Konzentration c der Eosinophilen Granulozyten (2-4% der Blutleukozyten, 100-300 Zellen/
l) in Abhängigkeit von der Beleuchtungsstärke E /69/, /75/
Nach Wirz-Justice in Jung/ Hollick /615/ kann die Grenze der biologischen Wirksamkeit des Lichtes bei Beleuchtungsstärken von E = 2000 lx gezogen werden, wenn man die Melatoninproduktion untersucht. Diese wird ab 2000 lx unterdrückt.
Die Kenntnis des Aufbaus des menschlichen Auges ist von besonderer Bedeutung. Das Auge ist ein optisches Medium, daß aus vielen Einzelelementen besteht, wie Bild 20 zeigt.
Bild 20 Aufbau des menschlichen Auges
Die Transmissionseigenschaften der einzelnen Teilstrukturen sind im Bild 21 dargestellt. Die Augen und der Sehvorgang sind sehr gründlich untersucht worden, beispielsweise in /32/, /59/, /78/, /99/, /132/, /151/, /194/, /250/
Bild 21 Spektrale Eigenschaften optischer Teilstrecken des menschlichen Auges /743/
Auch ein Teil der biologisch-medizinischen Steuerungsmechanismen über die energetische Bahn ist bekannt. Eine zusammenfassende Darstellung wurde von Stark und Methling /162/ gegeben. In den letzten Jahren sind neue Erkenntnisse dazugekommen. Die vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse aus dem medizinischen Bereich, von Saller /514/ herausgearbeitet, zwingen zum erneuten Nachdenken über gesunde Beleuchtungstechniken, siehe auch Bild 23.
Haare sind Lichtleiter. Tierische Haare wurden sehr gut auf ihre Strahlungsflußeigenschaften untersucht /435/. Es ist sehr wichtig, daß sich Wissenschaftler mit dieser Problematik interdisziplinär befassen, da möglicherweise in der Folge von Untersuchungsergebnissen neue Denkansätze für Mediziner und Biologen, aber auch Architekten und Lichttechniker gefunden werden, die zu möglichen Erklärungen über spezielle Haar- und Hauterkrankungen und zu grundlegenden Überlegungen für neue Beleuchtungskonzepte führen.
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